Mehr sehen – über die Weitsicht mit geschlossenen Augen
Der Mensch ist ein „Augentier“, unsere Kultur dominant optisch geprägt. Aber was passiert, wenn man uns die Augen verbindet? Die Gedanken entkommen dem ausgefahrenen Informationshighway. Wir justieren andere Sinne. Entdecken Neues, Naheliegendes, bisher Unerkanntes. Das ist das Prinzip erfolgreichen Innovationsmanagements. Das Kniffelige daran ist nur, dass alles, was wir mit Innovation verbinden – feine Denker, viel Zeit, noch mehr Freiheit – auf den ersten Blick so gar nicht in das Konzept einer kernigen Machermentalität, einer straffen Organisationsstruktur, eines scharfen Prozesses passen will. Auf den ersten Blick!
Innovation ist die Zwillingsschwester der Kreativität. Kreative, sind das nicht Genies, der Welt abgewandt, die unter plötzlichen Ideeneruptionen das Koordinatensystem der Erdachse verschieben? Noch so ein Irrtum! Denn das brillante Sturm-und-Drang-Genie ist eine Erfindung. Thomas Edison sagte bekanntlich: „Kreativität besteht aus einem Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“ Und Albert Einstein urteilte über sich: „Übrigens weiß ich ganz genau, dass ich selbst gar keine besondere Begabung habe. Neugier, Besessenheit und sture Ausdauer, verbunden mit Selbstkritik, haben mich zu meinen Gedanken gebracht.“ Für den Unternehmensalltag heißt das: Kreativität und Innovationskraft sind nicht die Gabe oder das Eigentum einiger Weniger – auch wenn in vielen Unternehmen eine unbewusste Unterdrückung der wirklichen Ideenfindung herrscht. Inkrementale Ideen aus dem betrieblichen Vorschlagswesen: gerne. Radikale Ideen aus dem unternehmensweiten Wissensreichtum: Bitte stören Sie den Betriebsablauf nicht!
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Studien haben ergeben, dass Teilnehmer an Sitzungen zirka 70 Prozent ihrer Zeit damit verbringen, die Ideen ihrer Kollegen zu widerlegen. Nicht solche, die auf der Hand liegen, die eindeutige Ergebnisse erwarten lassen, die mit den Denkmustern des Unternehmens zusammenpassen – die gehen gut durch. Dazu braucht man kein Innovationsmanagement. Innovationsmanagement ist der Schlüssel, auch jenen Ideen eine Chance zu geben, die ungewöhnlich, unbequem, im ersten Moment vielleicht sogar unlogisch sind. Welche die eigenen Produkte kannibalisieren. Die den Markenkern angreifen. Die zunächst Sand in das Getriebe der laufenden Maschinerie werfen. Die aber die Macht haben, das Unternehmen auf neue, erfolgreiche Wachstumspfade zu führen.
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Die Gestaltung der Produktinnovationsprozesse ist dabei nur eine Seite der Medaille. Wer die grundsätzliche Innovationskraft im Unternehmen stärken will, der muss tiefer schürfen. Dem muss es gelingen, dass in allen Funktionen, in allen Prozessen, in allen regionalen Einheiten wirklich innovativ gedacht und gehandelt wird – dass eine Versuchskultur entsteht, die dem exotisch Neuen eine Chance gibt. Die mit kreativen Verstörungen arbeitet, zum Beispiel sich selbst einmal die Augen verbindet. Und die Ideen, sobald sie ihr Erfolgspotenzial angedeutet haben, mit den bestehenden Kernkompetenzen verknüpft …
Den vollständigen Text finden Sie in Ausgabe 2/2008 von "The Performance Architect".
Außerdem in der Rubrik "Titel":
- "Mut oft nur in homöopathischen Dosen" – Interview mit dem Bestseller-Autor Dr. Peter Kreuz
- Special: "Von Denkhüten und Reizwörtern: Was bringen Kreativitätstechniken?"
- "Innovationen brauchen langen Atem" – Interview mit Joachim Mrusek (Bosch)

