Der Kalkulationsprozess in der Automobilzulieferindustrie
Autor(en): Competence Center Automotive
Zeitraum der Studiendurchführung: 2009

Die Automobilzulieferindustrie sieht sich gegenwärtig großen Herausforderungen gegenüber. So haben die Zuliefer-Unternehmen durch die Globalisierung und das veränderte Abnahmeverhalten der OEM seit Jahren hohen Margendruck und als Konsequenz stetig die Notwendigkeit, die Kostensituation zu verbessern.
Insbesondere die gegenwärtige Finanzkrise verschärft diese Situation drastisch, da die OEM kurzfristig die Produktionsmenge reduzieren und dadurch die Abrufe bei den Zulieferern verringern. Die Folge ist ein weiterer Anstieg der Stückkosten, da die gesamten Investitionen auf weniger Stückzahlen umgelegt werden können.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist die richtige Kalkulation der Produkte von entscheidender Bedeutung. Hier wird die Basis des wirtschaftlichen Erfolges gelegt.
Die vorliegende Studie, für die Automobilzulieferern im deutschsprachingen befragt wurden, fokussiert daher die prozessualen Gestaltungselemente des Kalkulationsprozesses und versucht Verbesserungspotenziale und Handlungsfelder abzuleiten und aufzuzeigen. Diese können mit ein entscheidender Faktor für die langfristige Zukunftssicherung der Automobilzulieferer sein.
Alle teilnehmenden Automobilzulieferer konnten diverse Unstimmigkeiten und Verbesserungspotenziale in ihrem Kalkulationsprozess benennen. Obwohl nahezu alle befragten Unternehmen mit den Ergebnissen der Kalkulation an sich zufrieden sind, existieren aus der prozessualen Sicht drei wesentliche Handlungsfelder:
1. Prozessaufbau und -ablauf
2. Prozessmanagement
3. IT-Systeme
Trotz der einhelligen Meinung, dass eine realistische Kalkulation maßgeblich zum wirtschaftlichen und technischen Erfolg des Unternehmens beiträgt, lässt sich unternehmensübergreifend feststellen, dass die Automobilzulieferer eine klare organisatorische und prozessuale Ausrichtung des Kalkulationsprozesses vermissen lassen.
Bei vielen der befragten Automobilzulieferer ist der Kalkulationsprozess weder im Aufbau noch im Ablauf standardisiert vorzufinden. Projektindividuelle Vorgehensweisen herrschen vor – begründet durch die Individualität der Kundenanfragen. Als Verbesserungspotenzial wurde jedoch von einer Großzahl der Teilnehmer die Standardisierung des Kalkulationsprozesses genannt.
Ein Prozessmanagement wird nach Aussage der Studienteilnehmern in der Regel nur in geringem Maßeangewendet. So erfolgt lediglich eine nicht immer konsequente Planung und Verfolgung von Terminen und Verantwortlichkeiten sowie gegebenenfalls eine Plausibilitätsprüfung der Kalkulationsergebnisse. Standardisierte Instrumente und Methoden, z. B. ein Workflow-Management, finden kaum Anwendung. Durch ein entsprechend gestaltetes Workflow-Management, welches neben der operati-ven Prozessdurchführung auch Prozesskennzahlen zur Verfügung stellt, und die Nutzung von Kennzahlen-Cockpits würde eine Steuerung und kontinuierliche Optimierung des Kalkulationsprozesses ermöglicht.
Die meisten der befragten Unternehmen setzen bereits ein IT-System für die Kalkulation ein. Hierbei erfolgt eine Anknüpfung des Warenwirtschafts- und Buchhaltungssystems lediglich durch ein Ein- und Ausspeichern von einzelnen Datenblättern. Die eigentliche Kalkulation erfolgt in der Regel durch leicht adjustierbare Software wie z. B. MS Excel. Durch die fehlende Systemin-tegration kann dies in der Praxis zu Prozessverzögerungen, Fehleranfälligkeit und erhöhten Kosten führen. IT-Systeme, die den Kalkulationsprozess optimal unterstützen, bieten neben einer Datenbank für objektivierte Best-Practice-Kalkulationswerte eine Workflow-Unterstützung und automatisierte Schnittstellen sowie Templates zur Ausführung der Kalkulationen.
Die Untersuchung zeigt, dass hinsichtlich des Kalkulationsprozesses die grundsätzliche prozessuale Gestaltung, das Prozessmanagement sowie die zugrundeliegenden IT-Systeme erhebliche Verbesserungspotenziale aufweisen. Somit ist festzuhalten, dass zwischen der hohen wirtschaftlichen und technischen Bedeutung des Kalkulationsprozesses und der tatsächlichen operativen Umsetzung eine große Lücke klafft.
Details
Zeitraum der Studiendurchführung: 2009
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Kontakt
Andreas Brauchle
abrauchle
horvath-partners.com
